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Tag der Bauwirtschaft 2026: Brennpunkt Bauherr

  • 1. Juli
  • 5 Min. Lesezeit

Am Tag der Bauwirtschaft 2026 im Campus Sursee stand der Bauherr im Zentrum, genauer die Erkenntnis, dass die folgenschwersten Entscheidungen ganz am Anfang eines Projekts fallen. Mehrere Referate kamen unabhängig voneinander beim selben Punkt an: KI und Technologie unterstützen den Menschen, sie ersetzen die Entscheidung nicht. Was für die Baustelle gilt, gilt auch für den Angebotsprozess. Hier sind die vier Erkenntnisse, die aus Scait-Sicht hängen bleiben.


Warum „Brennpunkt Bauherr" auch die Submission betrifft

Der Tag der Bauwirtschaft 2026 fand am 26. Juni im Campus Sursee statt, organisiert vom Schweizerischen Baumeisterverband mit über 700 Teilnehmenden. Das Thema „Brennpunkt Bauherr" drehte sich um eine einfache Wahrheit: Die wichtigsten Weichen eines Bauprojekts werden ganz am Anfang gestellt. Genau dort beginnt auch jede Submission.

Zentralpräsident Gian-Luca Lardi brachte es auf den Punkt. In der Theorie ist der Bauherr der Chef, in der Praxis delegiert er früh an Spezialisten. Wer die vertraglichen Grundlagen von Beginn an ernst nimmt, vermeidet später Interessenskonflikte, Mehrkosten und Streit.

Ein grosser Teil des Tages drehte sich entsprechend um neue Zusammenarbeitsformen wie Projektallianzen und um die Frage, wie aus Gegeneinander ein Miteinander wird. Die Parallele zum Angebotsprozess ist offensichtlich: Auch ein Bauunternehmen trifft die teuersten Entscheidungen, bevor der erste Franken kalkuliert ist, nämlich beim Lesen der Ausschreibung. Der Tag der Bauwirtschaft im Campus Sursee ist der grösste Netzwerkanlass der Branche, und er hat dieses Jahr ein Thema gesetzt, das jeden Kalkulator betrifft.


Konferenzsaal mit Publikum vor Bühne; Leinwand zeigt TAG DER BAUWIRTSCHAFT/JOURNÉE DE LA CONSTRUCTION, rotes Licht.

Die wichtigsten Entscheidungen im Angebotsprozess fallen am Anfang

Im Angebotsprozess entstehen die teuren Fehler nicht am Schluss, sondern am Anfang: bei der Wahl des falschen Projekts oder bei einer überlesenen Klausel. Eine einzige übersehene Vertragsbedingung kann eine ganze Submission unprofitabel machen. Die Vorprüfung und der erste Durchgang entscheiden über die Marge.

Andrea Wucher, Unternehmerin und Bauherrin, sagte auf dem Podium, ihr meistgebrauchtes Wort auf einem Projekt sei „Nein" gewesen. Früh Nein zu sagen, zum falschen Auftrag oder zum ausufernden Anspruch, schützt das Ergebnis.

Für ein Bauunternehmen ist dieses „Nein" die Go/No-Go-Entscheidung. Welche Ausschreibung ist die über 26 Stunden Bearbeitung überhaupt wert? Wer auf alles bietet, verwässert die ohnehin tiefe Zuschlagsquote von 5 bis 10 Prozent.

Wer die Go/No-Go-Entscheidung datenbasiert trifft statt aus dem Bauchgefühl, setzt die Kapazität dort ein, wo sie zählt. Und wer Ausschreibungen systematisch vorprüft, erkennt riskante Stellen, bevor sie zum Problem werden. Eine Klausel, die am Anfang untergeht, wird am Ende zum Verlust.


KI im Bau: Werkzeug, nicht Entscheider

Zwei Referierende aus sehr unterschiedlichen Welten kamen zur selben Schlussfolgerung: Technologie unterstützt den Menschen, sie übernimmt die Entscheidung nicht. Eine Bauingenieurin mit KI-Fokus und ein Verkehrspilot beschrieben damit genau das Prinzip, auf dem Scait aufbaut.

Bianca Weber-Lewerenz, Bauingenieurin und Digitalisierungsexpertin, beschrieb KI durchgehend als Hilfsmittel, vergleichbar mit der Kelle oder der Leiter. KI soll die menschliche Arbeit entlasten, nicht überrollen. Sie zeigte Beispiele, etwa rechtliche Fragen, die sich direkt auf der Baustelle in Echtzeit beantworten lassen.

Pilot und Redner Philip Keil zog die Parallele aus der Luftfahrt. Moderne Technologie unterstützt die Führungskraft, ersetzt sie aber nicht. Der Autopilot übernimmt Routine, niemals die Verantwortung und niemals die Entscheidung.

Keil prägte dazu den Begriff der positiven Fehlerkultur. Selten scheitere ein Flug an einem einzelnen Fehler, sondern an einer Verkettung unbemerkter kleiner Fehler. Wer früh prüft und anspricht, durchbricht diese Kette. Im Angebotsprozess ist es dasselbe: Ein Widerspruch zwischen Plan und Leistungsverzeichnis ist selten allein, gefährlich wird die Kette.

Das ist exakt die Haltung von Scait. Die KI-Plattform liest, prüft und markiert, der Mensch entscheidet. Wo KI im Bau heute realen Mehrwert liefert, zeigt sich an genau dieser Linie: Sie schafft Transparenz und Tempo, die fachliche Verantwortung bleibt bei der Kalkulatorin. Scait liefert die Fakten. Sie treffen die Entscheidung.


Verträge, Normen und Vertrauen: weniger Reflex, mehr Augenmass

Ein wiederkehrendes Thema war, dass Normen wertvoll sind, aber nicht reflexartig in ihrer strengsten Form angewendet werden sollten. Sonst entstehen Überqualität und unnötige Kosten. Für Bauverträge heisst das: mit Augenmass lesen, nicht nur Haken setzen.

Gian-Luca Lardi appellierte, der zentralen Norm für Bauverträge treu zu bleiben und sie nicht einseitig abzuändern. Gleichzeitig betonte er, gute Ingenieure dürften von Normen abweichen, sofern sie wüssten, was sie tun. Wird jede Norm in der strengsten Form ausgelegt, führt das zu Mehrkosten ohne Mehrwert.

Für die Submission ist die Lehre klar. Ein Werkvertrag muss mit Augenmass geprüft werden. Welche Klausel verschiebt Risiken einseitig? Wo versteckt sich eine Abweichung vom Standard? Eine Vertragsanalyse, die Klauseln gegen Schweizer Branchenstandards abgleicht, macht solche Stellen sichtbar, bevor unterschrieben wird.

Pierre Broye, Vorsitzender der KBOB, stellte den Begriff der Bestellkompetenz ins Zentrum: die Fähigkeit der Bauherren, präzise zu bestellen und gut zusammenzuarbeiten. Dazu gehört das Denken über den ganzen Lebenszyklus, denn ein Grossteil der Kosten entsteht nicht beim Bau, sondern im Betrieb über Jahrzehnte.

Lardis Schlussbotschaft waren zwei Werte: Transparenz und Ehrlichkeit. Dass Scait die Werkvertragsanalyse inzwischen direkt in Construix anbietet, der Plattform des Schweizerischen Baumeisterverbands, zahlt genau darauf ein: nachvollziehbare Prüfung mit Quellenverweis statt Blackbox.


Was Scait vom Tag der Bauwirtschaft 2026 mitnimmt

Der Anlass hat eine Überzeugung bestätigt, die Scait von Anfang an trägt. Die entscheidenden Momente liegen früh, KI gehört in die Rolle des Unterstützers, und Vertrauen entsteht durch Transparenz. Genau das muss eine KI-Plattform für den Angebotsprozess leisten.

Die vier Fäden des Tages laufen zusammen: früh entscheiden, KI als Werkzeug einsetzen, Verträge mit Augenmass prüfen und Bestellkompetenz aufbauen. Es geht nicht um mehr Technik um ihrer selbst willen, sondern um bessere Entscheidungen an der richtigen Stelle.

Scait liest die gesamte Ausschreibung, erkennt Risiken und Widersprüche und bereitet Dokumente vor. So entscheidet das Team schneller und fundierter und behält die Kontrolle.

Das Thema „Brennpunkt Bauherr" war damit auch ein Brennpunkt für jeden, der Submissionen bearbeitet. Wer am Anfang die richtigen Grundlagen hat, gewinnt am Schluss.


Modernes Konferenzfoyer mit gepunkteter Decke, runden Lichtkuppeln, Messeständen und Besuchern; Schild Bautagung.

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FAQ

Was war das Thema des Tag der Bauwirtschaft 2026?

Das Thema lautete „Brennpunkt Bauherr". Im Zentrum stand die Rolle des Bauherrn und die Erkenntnis, dass die entscheidenden Weichen eines Bauprojekts ganz am Anfang gestellt werden. Der Anlass fand am 26. Juni 2026 im Campus Sursee in Oberkirch statt, organisiert vom Schweizerischen Baumeisterverband.


Wer waren die Referierenden?

Auf der Bühne standen unter anderem SBV-Zentralpräsident Gian-Luca Lardi, die Bauingenieurin und KI-Expertin Bianca Weber-Lewerenz, Pilot und Redner Philip Keil, KBOB-Vorsitzender Pierre Broye sowie Unternehmerin und Bauherrin Andrea Wucher. Durch den Tag führte die Moderatorin Dr. Mascha Santschi Kallay.


Was bedeutet „KI als Werkzeug" für den Bau?

Es bedeutet, dass KI menschliche Arbeit und Entscheidungen unterstützt, sie aber nicht ersetzt. Die Technologie schafft Transparenz, Tempo und eine bessere Grundlage. Die fachliche Verantwortung und der finale Entscheid bleiben beim Menschen. Dieses Human-in-the-Loop-Prinzip zog sich durch mehrere Referate des Tages.


Wie hilft KI konkret im Angebotsprozess?

Eine KI-Plattform prüft Ausschreibungen vor, erkennt riskante Vertragsklauseln, deckt Widersprüche zwischen Dokumenten auf und erstellt erste Entwürfe für die nötigen Submissionsunterlagen. Das spart Zeit und senkt das Risiko, kritische Stellen zu übersehen. Entscheiden tut weiterhin das Bauteam.


Wann ist der nächste Tag der Bauwirtschaft?

Der nächste Tag der Bauwirtschaft findet am 25. Juni 2027 in Interlaken statt. Es ist der grösste Netzwerkanlass der Schweizer Bauwirtschaft und bringt Entscheiderinnen und Entscheider aus der gesamten Branche und darüber hinaus zusammen.

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